
Artenschutzturm Fotomontagen: Vincent Berger
Errichtung und fachliche Begleitung eines Artenschutzturms als Bildungs- und Monitoringstandort im Landkreis Waldshut
Einleitung und Problemstellung
Der fortschreitende Verlust von Biodiversität zählt zu den zentralen ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Insbesondere gebäudebrütende Vogelarten wie Schwalben und Mauersegler sowie verschiedene Fledermausarten sind durch Habitatverlust, veränderte Landnutzung und klimatische Veränderungen zunehmend bedroht. Parallel wächst die gesellschaftliche Notwendigkeit, Umweltbildung im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) stärker in lokale Kontexte zu integrieren.
Vor diesem Hintergrund besteht ein konkreter Bedarf an niedrigschwelligen, praxisnahen Lernorten, die sowohl Artenschutzmaßnahmen umsetzen als auch deren ökologische Zusammenhänge anschaulich vermitteln. Im Landkreis Waldshut fehlen bislang vergleichbare kombinierte Infrastrukturangebote, die Habitatbereitstellung, Monitoring und Umweltbildung systematisch verbinden.
Zielsetzung
Ziel des Projekts ist die Errichtung und langfristige fachliche Begleitung eines Artenschutzturms (AST), der als multifunktionaler Lebens-, Beobachtungs- und Bildungsort dient.
Im Einzelnen werden folgende Ziele verfolgt:
- Schaffung von Ersatzlebensräumen für regional gefährdete Tierarten
- Etablierung eines kontinuierlichen Monitorings von Populationsentwicklungen, insbesondere im Kontext des Klimawandels
- Förderung der Umweltbildung im Sinne der BNE durch praxisnahe Bildungsangebote
- Aufbau eines regionalen Netzwerks aus Naturschutz, Bildung und Wissenschaft
Zielgruppen
Das Projekt richtet sich an ein breites Spektrum von Nutzergruppen:
- Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren
- Schulklassen aller Schularten sowie Kindertageseinrichtungen
- Lehr- und pädagogisches Fachpersonal
- Familien, Einzelbesucher und interessierte Bürgerinnen und Bürger
- Studierende sowie Akteure aus Tourismus und regionaler Bildung
Methodik und Umsetzung
Zentrale Maßnahme ist die Errichtung eines bis zu 8 Meter hohen Artenschutzturms, der gezielt als Habitat für verschiedene Tierarten konzipiert wird. Dazu gehören insbesondere Nistmöglichkeiten für Schwalben und Mauersegler sowie Quartiere für Fledermäuse.
Ergänzend werden weitere naturnahe Strukturen geschaffen:
- Totholzbereiche als Igelstation
- Insektenhotel zur Förderung bestäubender Insekten
- Trockenmauern als Lebensraum für Reptilien
- Ein Feuchtbiotop zur Unterstützung von Amphibienpopulationen
Zur Förderung von Transparenz und Umweltbildung werden ausgewählte Bereiche mit Webcams ausgestattet. Die Livebilder werden öffentlich über die Vereinswebseite zugänglich gemacht und ermöglichen eine kontinuierliche Beobachtung der Tierwelt. Eine kommerzielle Nutzung ist ausgeschlossen.
Die fachliche Begleitung, Datenerhebung und Öffentlichkeitsarbeit erfolgen in Kooperation mit dem Verein KLIMENZ – Erlebbare Umweltbildung e. V. Das Projekt wird überwiegend ehrenamtlich umgesetzt.
Erwartete Ergebnisse und Erfolgsindikatoren
Der Projekterfolg wird sowohl qualitativ als auch quantitativ bewertet. Zentrale Indikatoren sind:
- Integration des Artenschutzturms in Umweltbildungsangebote, insbesondere im Rahmen des „Grünen Klassenzimmers“
- Anzahl und Qualität von Kooperationen mit regionalen Naturschutzakteuren
- Öffentliche Resonanz, einschließlich Medienberichterstattung
- Zugriffszahlen auf Webcam-Angebote und digitale Inhalte
- Reichweite in sozialen Medien
Langfristig wird der Aufbau eines stabilen regionalen Netzwerks für Artenschutz und Bildung für nachhaltige Entwicklung angestrebt.
Wissenschaftliche Anbindung
Das Projekt weist eine hohe Anschlussfähigkeit an wissenschaftliche Fragestellungen auf. Bereits bestehende Anfragen zur Einbindung in Studien- und Abschlussarbeiten (Bachelor und Master) unterstreichen das Potenzial als Forschungsstandort.
Im Fokus stehen insbesondere Untersuchungen zur Entwicklung lokaler Tierpopulationen unter dem Einfluss klimatischer Veränderungen. Die wissenschaftliche Begleitung trägt zur Evaluation der Maßnahmen bei und ermöglicht eine evidenzbasierte Weiterentwicklung des Projekts.
Bedeutung des Projekts
Das Vorhaben verbindet praktischen Artenschutz mit innovativer Umweltbildung und wissenschaftlicher Forschung. Es schafft einen dauerhaft nutzbaren Lern- und Erlebnisraum, der ökologische Zusammenhänge sichtbar macht und Handlungskompetenzen im Sinne nachhaltiger Entwicklung stärkt.
Durch die regionale Verankerung und die offene Zugänglichkeit leistet das Projekt einen konkreten Beitrag zum Erhalt der Biodiversität und zur Sensibilisierung der Bevölkerung für Umwelt- und Klimaschutzthemen.
Zusammengestellt von Marko Weiss, 30. April 2026
.
.

Möchtest du mehr über KLIMENZ erfahren, an Projekten, Workshops und Veranstaltungen teilnehmen und Umweltbildung aktiv erleben? Dann bist du bei uns genau richtig.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – wichtig sind Interesse, Offenheit und Freude am Mitwirken. Gemeinsam gestalten wir nachhaltige Entwicklung und setzen uns aktiv für Natur- und Klimaschutz ein.
E-Mail: info@klimenz.de
Telefon: +49 (0)152 3898 3137
Website: www.klimenz.de