Rastplatz – Brutplatz – Storchenheimat


50 bis 60 Weißstörche wurden am 7. September 2026 auf dem Dach der Kirche Maria Himmelfahrt und über den Dächern von Schloss Tiengen beobachtet. Fotos: Jens Wiegmann
50 bis 60 Weißstörche über Tiengen – eine außergewöhnliche Beobachtung macht Hoffnung
Ein Himmel voller Störche über Tiengen.
50 bis 60 Weißstörche wurden über den Dächern von Schloss Tiengen und der Kirche Maria Himmelfahrt am 7. September 2026 beobachtet. Dazu das typische Klappern der Schnäbel am Abend – ein Naturerlebnis, das man nicht jeden Tag vor der eigenen Haustür erleben darf. KLIMENZ bedankt sich für Fotos mit Bericht bei Jens Wiegmann und Biene Maier-Jerke vom DRK-Schülerhort Tiengen.
Für KLIMENZ ist diese Beobachtung mehr als ein faszinierendes Naturschauspiel. Sie passt zu einer Idee, die uns schon länger beschäftigt:
Wir wollen die Störche zurück nach Tiengen holen.
Und die Voraussetzungen dafür sind möglicherweise besser, als man auf den ersten Blick denkt.
Von Afrika zurück zu uns
Meister Adebar ist ein echter Weltenbummler
Der Weißstorch ist ein Zugvogel und ein Langstreckenzieher. Viele Weißstörche verbringen den Winter in Afrika und kehren im Frühjahr wieder in ihre europäischen Brutgebiete zurück. Die westlich ziehenden Populationen nutzen dabei die Route über Gibraltar und die östlich ziehenden Tiere die Route über den Bosporus.
Auf ihrem Zug orientieren sich die Störche unter anderem an Flusstälern und geeigneten Landschaftsräumen. Der Hoch- und Oberrhein sowie das Elsass liegen deshalb in einem Gebiet, in dem regelmäßig große Storchenbewegungen beobachtet werden.
Und plötzlich sind sie da:
über Tiengen.
Die aktuelle Beobachtung von 50 bis 60 Tieren zeigt eindrucksvoll, dass unsere Stadt von durchziehenden Störchen angenommen wird.
Tiengen als Rastplatz und Brutplatz
Gute Nahrung ist entscheidend
Ein Storch braucht nicht nur einen geeigneten Horst. Er braucht vor allem ausreichend Nahrung.
Weißstörche suchen ihre Nahrung bevorzugt in offenen Landschaften, auf Wiesen, in Feuchtgebieten und in Flussauen. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Insekten, Regenwürmer, Mäuse, Frösche und andere Kleintiere.
Dabei sind Störche erstaunlich mobil.
Von ihrem Brutplatz aus können sie ihre Nahrungsflächen über 5 bis 10 Kilometer Entfernung aufsuchen.
Das eröffnet für Tiengen interessante Perspektiven.
Denn geeignete Nahrungsflächen müssen nicht unmittelbar neben dem Storchnest liegen.

Hier im Landschaftspark Riedwiesen in Lauchringen entsteht künftig eine vielfältige Naturlandschaft mit Wiesenflächen, Feuchtbiotopen, Auenbereichen und naturnahen Gewässerstrukturen. Solche Lebensräume können auch für den Weißstorch wertvolle Nahrungshabitate schaffen. Foto: KLIMENZ
Die Riedwiesen – ein Stück Zukunft für die Artenvielfalt
Naturentwicklung vor unserer Haustür
Nur wenige Kilometer von Tiengen entfernt entsteht in Lauchringen der Landschaftspark Riedwiesen.
Auf rund fünf Hektar soll ein ökologisch hochwertiger Landschaftsraum an der Wutach entstehen. Vorgesehen sind unter anderem die Renaturierung von Gewässerabschnitten, die Entwicklung artenreicher Wiesen, die Wiedervernässung von Auenbereichen, Gehölzpflanzungen und weitere Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt.
Damit entsteht Schritt für Schritt genau das, was viele Tierarten benötigen:
mehr Struktur, mehr Wasser, mehr Wiesen, mehr Leben.
Der Landschaftspark Riedwiesen ist deshalb nicht nur ein Gewinn für Menschen, sondern auch ein wichtiger Baustein für die ökologische Entwicklung unserer Region.
Und möglicherweise wird er eines Tages auch Teil des Nahrungsraums für Tiengener Störche.

Der Weißstorch („Meister Adebar“) ist ein wichtiger Botschafter für intakte Feuchtwiesen, Auenlandschaften und artenreiche Kulturlandschaften. Foto: KLIMENZ
Die Storchenbestände wachsen
Aus dem Comeback wird eine neue Erfolgsgeschichte
Die Entwicklung des Weißstorches macht Mut.
In der Schweiz beispielsweise ist der Bestand nach dem historischen Zusammenbruch wieder stark angewachsen. Nachdem der Weißstorch dort 1950 als Brutvogel ausgestorben war, begann eine erfolgreiche Wiederansiedlung. Heute gibt es in der Schweiz mehr Weißstörche als je zuvor. Für 2025 wurden 1.234 Horstpaare erfasst.
Auch Möhlin am Rhein ist inzwischen ein bemerkenswerter Storchenstandort: Für 2025 werden dort 50 Horstpaare ausgewiesen.
Das zeigt:
Der Weißstorch kommt zurück.
Und wenn sich Populationen positiv entwickeln, benötigen insbesondere junge, geschlechtsreife Tiere neue geeignete Brutplätze.

KLIMENZ-Mitglied Dritan Pengili, Lehrer an der Hans-Thoma-Schule Tiengen, gestaltete gemeinsam mit seiner Klasse ein Modell des Tiengener Storchenturms. Das Schülerprojekt wurde beim Kunstwettbewerb für Schulen im Rahmen des Schwyzertags in 2026 ausgezeichnet. Foto: KLIMENZ

Der Wunsch vieler Kinder, dass auf dem historischen Wahrzeichen künftig wieder Weißstörche brüten, verbindet Heimatgeschichte, Naturerlebnis und Zukunftsperspektive auf besondere Weise. Foto: Dritan Pengili
Der Storchturm – das Wahrzeichen wartet
Ein historischer Brutplatz könnte wieder lebendig werden
Tiengen besitzt bereits etwas, das andere Orte erst schaffen müssen:
unseren Storchturm.
Der historische Standort bietet die Chance, an eine alte Tradition anzuknüpfen und dem Weißstorch wieder einen attraktiven Brutplatz anzubieten.
Das vorhandene Nestrad könnte nach fachlicher Prüfung und Abstimmung mit den zuständigen Stellen mit geeignetem Weiden- und Nistmaterial hergerichtet und wieder attraktiv gestaltet werden.
Denn Weißstörche sind ausgesprochen nistplatztreu. Geeignete alte Horste können über viele Jahre genutzt werden.
Die Idee ist deshalb ebenso einfach wie faszinierend:
Warum sollte aus dem historischen Storchturm nicht wieder ein echter Storchenhorst werden?
Von der Rast zur Brut
Die Chance ist real – aber Natur braucht Geduld
Natürlich können wir keinen Storch nach Tiengen bestellen.
Und wir sollten auch nicht versprechen, dass sich bereits im kommenden Frühjahr ein Brutpaar niederlässt.
Aber wir können die Voraussetzungen verbessern.
Ein attraktiver Horst.
Geeignete Nahrungshabitate in der Umgebung.
Naturnahe Wiesen und Gewässer.
Ein störungsarmer Standort.
Und eine Region, in der die Storchenbestände wieder wachsen.
Das sind Chancen, die wir nutzen sollten.
Genau hier setzt das neue KLIMENZ-Projekt „Wiederansiedlung der Störche in Tiengen“ an.
Der Storch als fliegendes Klassenzimmer
Umweltbildung, die direkt vor unserer Haustür stattfindet
Stellen wir uns vor:
Ein Storchenpaar kommt zurück.
Es landet auf dem Storchturm.
Es beginnt, das Nest herzurichten.
Dann liegen plötzlich die ersten Eier im Horst.
Wenige Wochen später schauen kleine Schnäbel über den Nestrand.
Und all das können Kinder beobachten.
Mit einer geeigneten Webcam am Storchenhorst könnte dieses Naturereignis unmittelbar erlebbar werden – für Schulen, Kindergärten, Familien, Naturfreunde, Artenschützer und Gäste unserer Region.
Schülerinnen und Schüler könnten beobachten, wie die Störche ihr Nest bauen, brüten, ihre Jungen füttern und schließlich die ersten Flugversuche der Jungstörche begleiten.
Das wäre Umweltbildung nicht aus dem Lehrbuch.
Das wäre Naturunterricht live.

Der Storchenturm – Wahrzeichen von Tiengen. Foto: Dieter Schäuble
Eine gemeinsame Aufgabe
Naturschutz funktioniert, wenn Menschen mitmachen
Die außergewöhnliche Beobachtung über Tiengen zeigt, welches Potenzial in unserer Region steckt.
Dabei geht es bei KLIMENZ nicht darum, Natur zu inszenieren oder Tiere zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen.
Es geht um etwas anderes:
Wir schaffen gute Bedingungen – und geben der Natur die Chance, ihren eigenen Weg zu gehen.
Gemeinsam mit Fachleuten aus Vogelschutz und Ornithologie, der Stadt, Schulen, Naturschutzorganisationen und engagierten Bürgerinnen und Bürgern wollen wir prüfen, welche Maßnahmen sinnvoll, fachlich richtig und rechtlich möglich sind.
Denn aus einer Idee wird erst dann ein Projekt, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Danke für diese besondere Beobachtung
Natur entdecken heißt auch: hinschauen
Unser besonderer Dank gilt Jens Wiegmann und Biene Maier-Jerke vom DRK-Schülerhort, die diese außergewöhnlichen Beobachtungen der großen Storchengruppe über Tiengen mit uns geteilt und fotografisch dokumentiert haben.
Solche Beobachtungen aus der Bevölkerung sind für den Naturschutz wertvoll.
Denn genau damit beginnt er:
Menschen schauen hin.
Menschen staunen.
Menschen teilen ihre Beobachtungen.
Und Menschen werden aktiv.
Fazit
Vielleicht beginnt gerade eine neue alte Geschichte
Vor vielen Jahren gehörten Störche selbstverständlich zu unserer Kulturlandschaft. Heute erleben wir wieder, wie sich ihre Bestände in vielen Regionen erholen.
50 bis 60 Störche über Tiengen sind deshalb für uns mehr als ein beeindruckendes Bild am Abendhimmel.
Sie sind ein Hoffnungssignal.
Der Oberrhein entwickelt sich wieder zu einer wichtigen Storchenregion. In unserer Nachbarschaft entstehen neue naturnahe Lebensräume. Der historische Storchturm bietet eine besondere Chance. Und mit einer Webcam könnte aus einem Storchenhorst sogar ein lebendiges Klassenzimmer für die ganze Region werden.
Ob aus dem heutigen Rastplatz tatsächlich wieder ein Brutplatz wird, entscheidet letztlich der Storch.
Aber wir können ihm die Tür öffnen.
KLIMENZ macht.
Wir wollen prüfen, was möglich ist.
Wir wollen Lebensräume schaffen.
Wir wollen Menschen begeistern.
Und wir wollen Meister Adebar wieder dauerhaft in Tiengen willkommen heißen.
Wir holen die Störche zurück nach Tiengen
damit aus dem Storchenturm wieder ein lebendiges Wahrzeichen der Doppelstadt Waldshut-Tiengen wird – für Bürger und Touristen
.

Möchtest du mehr über KLIMENZ erfahren, an Workshops und Veranstaltungen teilnehmen und Umweltbildung aktiv erleben? Dann bist du bei uns genau richtig.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – wichtig sind Interesse, Offenheit und Freude am Mitwirken. Gemeinsam gestalten wir nachhaltige Entwicklung und setzen uns aktiv für Natur- und Klimaschutz ein.
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Telefon: +49 (0)152 3898 3137
Website: www.klimenz.de
Verein(t) für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz
Das KLIMENZ-Vereinsheim: Idylle und Natur pur in bester Lage
Das Areal liegt in traumhaft schöner naturnaher Umgebung mit Wiesen, Äckern, Wäldern, am Talbach unterhalb des Trinkwasserschutzgebietes. Foto: Verein