Steinatal-Safari „Dürre“ – Sehen, messen, verstehen, handeln

Erlebbar. Messbar. Machbar.

Gemeinsam hinschauen, entdecken und verstehen:
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Steinatal-Safari.

                                                                                  Foto: Alfred Scheuble

Natur erleben heißt auch: genau hinschauen

Die Steinatal-Safari am 23. August 2026 war weit mehr als eine klassische Natur-Exkursion.

Unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Jörg Kasseckert ging es darum, die Auswirkungen von Dürre, Trockenheit und Hitze unmittelbar vor Ort wahrzunehmen, Tiere und Lebensräume zu beobachten und gleichzeitig nach konkreten Möglichkeiten für deren Schutz und ökologische Weiterentwicklung zu suchen.

Begleitet wurde die Exkursion außerdem von einem renommierten Lokaljournalisten des SÜDKURIER. Einen besonderen Akzent setzte der Besuch der Detzelner Ortsvorsteherin Rosi Kyas, die sich vor Ort ein Bild von den Beobachtungen, Herausforderungen und Ideen machte.

Detzeln hat dabei für KLIMENZ eine besondere Bedeutung: Der Verein Erlebbare Umweltbildung e. V. hat seinen Sitz in Detzeln.

Damit wurde die Steinatal-Safari zugleich zu einem Stück gelebter Umweltbildung, Bürgerdialog und regionaler Vernetzung.

Messen, was sich verändert: FÖJ-ler Alexander montiert die Wassertemperatur-Logger des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg (LFVBW).                                                                      Archivfoto: KLIMENZ

Nicht nur beobachten – auch messen

Ein wichtiger Bestandteil der Exkursion war das systematische Wassermonitoring.

Denn wer Veränderungen in Gewässern erkennen und langfristig beurteilen will, darf sich nicht allein auf den persönlichen Eindruck verlassen.

Deshalb werden bei KLIMENZ unter anderem Wasserstände und Wassertemperaturen dokumentiert. Temperaturmessungen erfolgen dabei über Logger, die kontinuierlich Daten erfassen.

Betrachtet werden unter anderem:

  • die Steina,
  • der Fockeltenbach,
  • der Fockeltenteich.
    .

Damit entsteht über die Zeit eine Datengrundlage, mit der Veränderungen nachvollziehbarer werden.

Gerade bei zunehmenden Hitze- und Trockenperioden sind solche Messungen wichtig: Wie stark erwärmen sich Gewässer? Wie verändern sich die Wasserstände? Wann geraten einzelne Gewässerabschnitte besonders unter Stress?

Aus Beobachtungen werden Daten – und aus Daten können Erkenntnisse für konkrete Maßnahmen entstehen.

Naturnahe Gewässerstrukturen, gesunde Auenwälder und schattenspendende Gewässerrandstreifen: So kann eine klimaresiliente Steina aussehen.                                                                             Foto: KLIMENZ

Wasser ist mehr als nur Wasser

Ergänzend zu den Temperatur- und Wasserstandsmessungen wurden Gewässer auch mit einem Wasseranalysekoffer des LFVBW untersucht.

Dabei können unter anderem wichtige Wasserparameter wie der pH-Wert bestimmt werden.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird dadurch unmittelbar erlebbar, dass die ökologische Qualität eines Gewässers von zahlreichen miteinander verbundenen Faktoren abhängt.

Wassertemperatur, Wasserstand, chemische Wasserparameter, Sauerstoffhaushalt, Gewässerstruktur und vorhandene Artenvielfalt stehen nicht isoliert nebeneinander.

Ein Gewässer ist ein komplexes Ökosystem.

Genau diese Zusammenhänge sichtbar und verständlich zu machen, ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit von KLIMENZ.

Dürre sichtbar vor Ort: ausgetrocknete Feuchtbiotope, vertrocknete Vegetation und knapper werdende Futterressourcen.
                                                                                 Foto: Alfred Scheuble

Dürre, die man sehen – und messen kann

Die Eindrücke vor Ort waren teilweise dramatisch.

Dürre, Trockenheit und Hitze haben deutliche Spuren hinterlassen. Pflanzen stehen unter erheblichem Trockenstress, Gewässer führen teilweise nur noch Restwasser und die Lebensbedingungen für viele Tiere verändern sich.

Besonders eindrücklich war der Blick auf die Bereiche, in denen noch Wasser vorhanden war.

Dort konnten Fischschwärme von Döbeln beobachtet werden. Gleichzeitig wurde deutlich, wie abhängig diese Tiere von ausreichend Wasser, geeigneten Temperaturen und funktionierenden Gewässerstrukturen sind.

Damit verbindet die Steinatal-Safari zwei Ebenen:

Was sehen wir?  und  Was können wir messen?

Beides gehört für KLIMENZ zusammen.

Natur erleben und Artenvielfalt erforschen:
Eine junge Safari-Teilnehmerin fängt Edelkrebse mit der Reuse.

                                                                                  Foto: Alfred Scheuble

Überleben unter Extrembedingungen: Dieser Edelkrebs fand im FFH-Gebiet Fockeltengraben unter einem schützenden Sonnensegel noch geeignete Rückzugsbedingungen.
                                                                                  Foto: Alfred Scheuble

Hinschauen, Zusammenhänge erkennen, Lösungen entwickeln: KLIMENZ-Vorsitzender Jörg Kasseckert erläutert die Entwicklung der Artenvielfalt im Steinatal.                                             Foto: Alfred Scheuble

Artenvielfalt trotz extremer Bedingungen

Trotz der schwierigen Bedingungen zeigte sich das Steinatal als faszinierender Lebensraum.

Während der Safari konnten unter anderem beobachtet werden:

Fuchs, zwei Rehkitze, Roter Milan, Wasserläufer, Döbel und Spiegelkarpfen.

Ein besonderes Erlebnis war die Untersuchung von Edelkrebsen, die mit einer Reuse gefangen und anschließend vorsichtig begutachtet wurden.

Nach der Beobachtung wurden die Tiere selbstverständlich sorgsam und unversehrt wieder in ihren Lebensraum zurückgesetzt.

So wird Umweltbildung unmittelbar erlebbar:

beobachten – untersuchen – verstehen – respektvoll zurücksetzen.

Von der Bestandsaufnahme zur Ideenbörse

Die Exkursion machte zugleich deutlich, dass Beobachten allein nicht genügt.

Gemeinsam wurden zahlreiche Ideen für die ökologische Entwicklung des Steinatalraums diskutiert:

  • Renaturierung von Gewässerabschnitten
  • Revitalisierung beeinträchtigter Lebensräume
  • Rekultivierung geeigneter Flächen
  • Wiederherstellung und ökologische Aufwertung von Gewässerrandstreifen
  • Wiederansiedlungsmaßnahmen
  • Verbesserung von Beschattung und Gewässerkühlung
  • Schaffung zusätzlicher Rückzugsräume
  • Verbesserung der ökologischen Vernetzung
  • Ansätze für ein tragfähiges Bibermanagement
  • Entwicklung einer Schwammlandschaft
  • Verbesserung des natürlichen Wasserrückhalts
  • Ideen und Maßnahmen gegen illegale Müllentsorgung.
    .

Die zentrale Frage dahinter:

Wie können wir aus einer durch Dürre und Hitze belasteten Landschaft eine widerstandsfähigere Landschaft für die Zukunft entwickeln?

Vom Beobachten zum Planen:
Einblicke in die Projektstudie zu klimaresilienten Landschaften von KLIMENZ-Beisitzer Hellmut von Koerber.

Wasser zurückhalten statt Wasser verlieren

Besonders wichtig war dabei der Gedanke einer Schwammlandschaft.

Niederschlagswasser soll nicht möglichst schnell aus der Landschaft verschwinden. Wo es ökologisch und technisch möglich ist, sollte Wasser länger in der Fläche gehalten werden.

Dazu gehören beispielsweise naturnahe Gewässerstrukturen, geeignete Rückhalteräume, funktionierende Gewässerrandbereiche und Maßnahmen zur Wiedervernässung.

Die Idee dahinter ist einfach:

Wasser dort halten, wo es gebraucht wird.

Gerade angesichts zunehmender Trockenperioden kann ein verbesserter natürlicher Wasserrückhalt ein wichtiger Baustein für widerstandsfähige Landschaften sein.

Gewässerrandstreifen: Potenzial für mehr Leben

Auch die Gewässerrandstreifen wurden intensiv betrachtet.

Sie können nicht nur als Schutzbereich für das Gewässer dienen, sondern zugleich wertvolle Lebensräume schaffen, Erosion und Stoffeinträge reduzieren und durch Gehölze zur Beschattung und Kühlung beitragen.

Deshalb wurden vor Ort Ideen gesammelt, wo Gewässerrandstreifen im Steinatal ökologisch aufgewertet oder wiederhergestellt werden könnten.

Für KLIMENZ gilt:

Aus einer ungenutzten Fläche kann ein Lebensraum werden.

Wasserfall Detzeln: ein markanter Gewässerabschnitt mit Bedeutung für Ökologie und Gewässerökosystem.                                Foto: KLIMENZ

Wasserfall Detzeln: natürliche Grenze mit ökologischer Funktion

Ein weiterer interessanter Beobachtungspunkt war der Wasserfall in Detzeln.

Während sich warmes Wasser für Menschen im Sommer angenehm anfühlen kann, nutzen Kinder und Familien das Wehr gerne zur Freizeitgestaltung am Wasser.
Für temperaturempfindliche Fischarten können erhöhte Wassertemperaturen während Hitze- und Dürreperioden dagegen erheblichen Stress bedeuten.

Hier wurde unter anderem seine Funktion als Krebssperre thematisiert.

Solche natürlichen oder baulichen Strukturen zeigen, wie eng Gewässerabschnitte miteinander verbunden sind – und welche Bedeutung Wanderhindernisse für die Ausbreitung invasiver Krebsarten und den Schutz heimischer Arten haben können.

Biber: Natur gestalten lassen und Konflikte lösen

Auch das Thema Bibermanagement war Bestandteil der Ideenbörse.

Der Biber ist ein wichtiger Landschaftsgestalter. Gleichzeitig können durch seine Aktivitäten Nutzungskonflikte entstehen.

Statt solche Konflikte nur als Problem zu betrachten, geht es darum, praktikable Lösungen für Mensch und Natur zu entwickeln.

Auch hierfür braucht es Beobachtung, Fachwissen, Kommunikation und gegebenenfalls abgestimmte Maßnahmen.

Illegale Müllentsorgung: Auch hier braucht es Macher

Eine Landschaft kann noch so wertvoll sein – illegale Müllablagerungen beeinträchtigen Natur und Landschaft erheblich.

Deshalb wurde die Exkursion auch genutzt, um Ideen zu entwickeln, wie illegale Müllentsorgung künftig besser verhindert, dokumentiert und beseitigt werden kann.

Denn auch hier gilt der KLIMENZ-Grundsatz:

Nicht nur über Probleme reden. Lösungen entwickeln.

Vom Naturerlebnis zur Datengrundlage

Die Steinatal-Safari verbindet damit mehrere Ebenen:

Naturbeobachtung. Umweltbildung. Wassermonitoring. Artenbeobachtung. Lokaler Austausch. Ideenentwicklung.

Und schließlich: konkretes Handeln.

Genau darin liegt für KLIMENZ der besondere Wert einer solchen Exkursion.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen nicht nur eine Landschaft.

Sie lernen, Zusammenhänge zu erkennen. Sie lernen, Daten einzuordnen. Sie entwickeln eigene Ideen. Und sie erleben, dass Naturschutz nicht irgendwo weit entfernt stattfindet, sondern direkt vor unserer Haustür.

Detzeln als Ausgangspunkt

Dass die Exkursion in Detzeln stattfand, ist dabei kein Zufall.

Detzeln ist Sitz des Vereins Erlebbare Umweltbildung e. V. und damit ein wichtiger Ausgangspunkt der KLIMENZ-Arbeit.

Der Besuch von Ortsvorsteherin Rosi Kyas unterstrich zugleich die Bedeutung des Austauschs zwischen Verein, Bürgerschaft und kommunaler Ebene.

Wenn Umweltbildung Wirkung entfalten soll, braucht es nicht nur Fachwissen und Engagement.

Es braucht auch Menschen, die miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

MACHEN statt SCHWÄTZEN

Die Steinatal-Safari „Dürre“ hat eindrücklich gezeigt:

Unsere Landschaft verändert sich. Wir können diese Veränderungen beobachten. Wir können sie messen. Wir können sie verstehen. Und wir können daraus Konsequenzen ziehen. Für KLIMENZ bedeutet das:

Erlebte Umweltbildung, die Wirkung entfaltet: hinschauen, messen, verstehen, Ideen entwickeln – und MACHEN.


Denn erlebbare Umweltbildung endet nicht mit einer Exkursion.

Sie beginnt dort, wo aus Beobachtung Verantwortung und aus Verantwortung konkretes Handeln wird.

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Möchtest du mehr über KLIMENZ erfahren, an Workshops und Veranstaltungen teilnehmen und Umweltbildung aktiv erleben? Dann bist du bei uns genau richtig.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – wichtig sind Interesse, Offenheit und Freude am Mitwirken. Gemeinsam gestalten wir nachhaltige Entwicklung und setzen uns aktiv für Natur- und Klimaschutz ein.

E-Mail:  info@klimenz.de
Telefon:  +49 (0)152 3898 3137
Website:  www.klimenz.de

Verein(t) für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz